↓ Ich lese als Nächstes: ↓

  

  Impressum
Datenschutz



Warum ich
keine Lesexemplare mehr annehme
 
 
  ↑ Zuletzt gelesen (ein Klick auf das Cover bringt euch zu meiner Rezension) ↑

Samstag, 18. März 2017

[ Rezension ] "Schaut nicht zurück" von Wiley Cash

Meine Wertung 4 von 5 Sternen
Titel Schaut nicht zurück
Originaltitel This Dark Road to Mercy
Autor(in) Wiley Cash
Übersetzer(in) Ulrika Wasel
Klaus Timmermann
Verlag* Fischer
Seitenzahl* 352
Erscheinungsdatum* 25. September 2014
Genre Gegenwartsliteratur
* bezieht sich auf die abgebildete Ausgabe des Buches
Das Buch auf der Seite des Verlags
Das Buch bei Amazon
Das Hörbuch auf der Seite des Verlags
Das Hörbuch bei Audible

"Gastonia, North Carolina. Easter Quilby und ihre jüngere Schwester Ruby leben nach dem Tod ihrer Mutter in einem Kinderheim. Den beiden Mädchen sind nur noch die Großeltern im fernen Alaska geblieben. Bis plötzlich eines Nachts ihr Vater auftaucht und sie aus dem Heim entführt. Wade Chesterfield will eine zweite Chance mit seinen Töchtern, endlich für sie da sein und anderswo ein neues Leben mit ihnen beginnen. Doch das Verschwinden der Mädchen bleibt nicht lange unbemerkt. Brady Weller, ehemaliger Detective und Vormund der beiden, nutzt seine alten Kontakte, um Wade auf die Spur zu kommen. Aber er ist nicht der Einzige: Auch der brutale Auftragskiller Pruitt, der nach vielen Jahren Rache an Wade nehmen will, verfolgt die kleine Familie. Denn Wade hat etwas bei sich, das ihm nicht gehört. Und hat völlig unterschätzt, in welch große Gefahr sein Handeln Easter und Ruby bringt …"
(Klappentext)
"This Dark Road to Mercy" heißt das Buch im englischen Original, also "Dieser dunkle Weg zur Gnade". Und tatsächlich erwartet den Leser eine Art Roadtrip durch den Südosten der USA: die verzweifelte Flucht des gescheiterten Baseballstars Wade Chesterfield, der seine beiden kleinen Töchter nach dem Drogentod ihrer Mutter aus dem Kinderheim entführt, um ihnen endlich der Vater zu sein, der er nie war. Dumm nur, dass er aus den besten Absichten eine fatal falsche Entscheidung getroffen hat, die ihn jetzt buchstäblich quer durchs Land verfolgt.

Ein Auftragskiller, der auch noch seine ganze eigene Rechnung mit Wade zu begleichen hat, jagt der kleinen Familie hinterher, so hartnäckig und unerbittlich wie ein Bluthund. Es gibt Tote, jede Menge kleine und große Kriminelle, einen ehemaligen Cop, dessen Leben zerstört wurde, als er den Tod eines Jugendlichen verschuldete... Und dennoch ist das Buch in meinen Augen kein Thriller.

Es ist mal düster, brutal und spannend, mal leise melancholisch, traurig oder bewegend, aber es geht in meinen Augen immer ums Zwischenmenschliche, um enttäuschte Hoffnungen, zerbrochene Träume, aber auch um Liebe, Vergebung, Neuanfang - und ja, Gnade. Über weite Strecken lebt das Buch nicht so sehr von dem, was gerade passiert, sondern von der Atmosphäre und den Gedanken der Charaktere, die sich ohne große Worte im Stillen weiterentwickeln.

Obwohl das Buch nicht auf die gleiche Art spannend ist wie ein Psychothriller oder auch nur ein Krimi, fand ich die Geschichte ungemein fesselnd. Ein wenig ermüdend war für mich lediglich, dass es wirklich sehr oft und sehr ausführlich um Baseball geht - andererseits gehört das wohl einfach dazu zu diesem heißen amerikanischen Sommer und zum Lebensgefühl der Menschen, die Wiley Cash hier beschreibt. Die Geschichte hat etwas Zeitloses, Archetypisches, und dennoch fand ich sie nicht abgedroschen, sondern originell erzählt.

Ein paar Worte zu den wichtigsten Charakteren:

Easter ist erst 12 Jahre alt, aber sie kümmert sich schon seit Jahren um ihre kleine Schwester Ruby - sie kocht ihr Essen (wenn welches im Haus ist), passt auf, dass sie die Hausaufgaben macht und früh genug ins Bett geht, und sorgt vor allem dafür, dass Ruby möglichst wenig darunter leidet, dass die Mutter nur selten aus dem Drogenrausch erwacht. Bis die das eines Tages dann gar nicht mehr tut.

Die Geschichte wird zum Teil von Easter erzählt. Meiner Meinung nach erfordert ein kindlicher Erzähler von einem Autor viel Feingefühl, aber Wiley Cash ist es hier gut gelungen. Easter erzählt ruhig und altklug und ist dennoch eine glaubhafte und liebenswerte Kinderstimme.

Ich hätte erst nicht erwartet, dass der Autor es schaffen würde, mir Verständnis für Wade abzuringen, denn der hat seine Kinder wirklich unsäglich im Stich gelassen. Aber natürlich steckt auch dahinter mehr, als auf den ersten Blick offensichtlich ist, und ich war am Schluss sehr beeindruckt davon, wie Wiley Cash es schafft, Wades Fehler nicht zu beschönigen, ihn aber dennoch als komplexen Menschen mit guten und schlechten Eigenschaften zu zeigen.

Überhaupt sind die meisten der Charaktere keine Helden, die meisten davon sind aber nicht ausschließlich gut oder ausschließlich böse. Nur den Auftragskiller fand ich ein wenig einseitig, denn der hat zwar Gründe dafür, dass er Wade hasst, begeht aber auch manche seiner blutigen Taten, obwohl sie ihn seinem Ziel gar nicht näher bringen oder unnötig grausam.

Brady Weller, der gesetzliche Vormund der beiden Mädchen, war für mich vielleicht die sympathischste Figur, denn er handelt nicht aus Eigennutz, sondern aus Sorge um das Wohlergehen der Kinder. Eine einzige Fehlentscheidung vor ein paar Jahren hat einen Jugendlichen das Leben gekostet, und das hat Bradys Ehe und seine Karriere als Cop zerstört und auch die Beziehung zu seiner Tochter sehr schwierig gemacht, voller Schuldgefühle und Konflikt.

Mit Brady und Wade zeichnet der Autor das Bild zweier sehr unterschiedlicher Väter, die beide nicht perfekt sind, die beide schwerwiegende Fehler begangen haben, und die dennoch beide ihre Töchter lieben. Das Thema Elternliebe und Vergebung zieht sich wie ein Leitmotiv durchs ganze Buch, und es endet mit der Frage, ob Recht und Gerechtigkeit immer dasselbe sind.

Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Oft ist er eher einfach, vermittelt aber trotzdem ganz viel Atmosphäre und wird manchmal sogar poetisch, bleibt dabei aber immer unprätentiös .
Die Mutter von Easter und Ruby erwacht eines Tages nicht mehr aus ihrem Drogenrausch und die Kinder kommen ins Heim. Von ihrem Vater Wade erwarten sie sich nichts, denn der hat vor ein paar Jahren auf sein elterliches Sorgerecht verzichtet und sich seitdem nicht mehr blicken lassen. Aber eines Tages ist er da und nimmt sie einfach mit, und damit beginnt eine wilde Hatz quer durch den Südosten der USA, denn Wade ist auf der Flucht.

Es ist schwer, das Buch zu beschreiben. Ein Thriller ist es nicht (trotz Auftragkiller und Verfolgungsjagd),  eher ein Familiendrama, ein Roadtrip, eine Geschichte über das Erwachsenwerden und die Vergebung. Das ist auf eine ganze eigene Art spannend, und die Charaktere fand ich glaubhaft, vielschichtig und überzeugend. Auch der meist eher ruhige, bodenständige Schreibstil passte sehr gut zur Geschichte.

Für meinen Geschmack nahm allerdings der Nationalsport Baseball einen etwas zu großen Platz in der Geschichte ein, denn darüber wird wirklich extrem viel und ausführlich gesprochen! Dennoch ist das Buch für mich eine Leseempfehlung.
Cover 4,5 Sterne
Originalität 4 Sterne
Spannungsaufbau und Tempo 4 Sterne
Charaktere 4,5 Sterne
Schreibstil 4 Sterne

Kommentare :

  1. Das Buch ist mir schon durch das tolle Cover aufgefallen. Aber nach Deiner Rezi bin ich mir sicher, dass ich es lesen muss.
    Schade mit dem Baseball, aber vermutlich können wir Europäer das auch einfach nicht nachvollziehen. Ich bin mal gespannt, wie ich das empfinden werde.
    Vielen Dank für Deine gute Rezi.
    Liebe Grüße
    Lilly

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Huhu Lilly,

      das Buch scheint die Gemüter ziemlich zu spalten! Aber ich glaube, in Deutschland war einfach Pech für den Verlag, dass die ersten zwei Rezensionen auf Amazon nur 1 und 2 Sterne vergaben - ganz ehrlich, wenn ein Buch auf Amazon nur 1,5 Sterne hat, schreckt das doch die meisten Käufer ab. Auch viele, die das Buch gar nicht bei Amazon sondern sonstwo kaufen wollen, schauen erstmal auf Amazon nach den Bewertungen.

      Auf Amazon.com gibt es 199 positive und nur 45 negative Rezensionen, da ist es also deutlich besser angekommen. Aber es ist irgendwie auch eine durch und durch amerikanische Geschichte, nicht nur wegen dem Baseball.

      LG,
      Mikka

      Löschen
    2. Ach schau, das habe ich gar nicht gesehen.
      Ich muss sagen, ich guck gar nicht so oft nach den Bewertungen. Ich lese auch nur sehr ausgewählte Rezensionen. Also wenn ich weiß, das und das Buch will ich jetzt lesen, lese ich dazu keine Rezi. Das mach ich immer erst hinterher.
      Seit ich blogge lese ich zwar öfter Rezis, aber a) nur von Leuten, wo ich weiß, die spoilern nicht und b) meist nur von Büchern, die mir ganz fremd sind. Wenn mich die Rezi dann neugierig gemacht hat, kommt es auf meine WuLi und bis ich es mir besorge, habe ich eh vergessen, was ich dazu im Einzelnen gelesen habe. ;)

      Nachdem ich jetzt Evolution 1 rezensiert habe, habe ich dann auch andere Rezis dazu gelesen. Gerade auch die, die vom Autor verlinkt waren und war doch entsetzt, wie viele Spoiler es in den Rezis gab.
      Natürlich erfährt man dann bei mir halt weniger über den Inhalt, aber ich frag mich beim Rezensieren immer, welche Wendungen in dem Buch haben mich übrrascht und die benenne ich dann nicht.
      Vor einer Weile habe ich im Büchertreff mal gefragt, wie man Kurzgeschichten rezensiert. Da meinte jemand, dass Kurzgeschichten von den plötzlichen Wendungen leben. Und ich muss sagen, den Satz habe ich mir auch für Romane behalten.
      Jetzt bin ich ganz vom Thema abgekommen. *blush*

      Ich wünsche Dir einen *guten* Tag.
      Liebe Grüße
      Lilly

      Löschen
    3. Huhu Lilly,

      ich bemühe mich auch immer sehr, nicht zu spoilern, wobei das manchmal ja wirklich schwer ist, weil die Rezension dann so schwammig bleibt! :-D

      Allerdings hat mir letztens auf Amazon jemand gesagt, ich hätte eine Spoiler-Warnung posten müssen! Aber das war auch bei einem Krimi, wo das, was ich verraten habe, eigentlich schon im Klappentext steht und was man auch in den ersten Kapiteln schon erfährt...

      Löschen

Danke für deinen Kommentar! :D

Die letzten 25 Beiträge meiner liebsten Blogs