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Sonntag, 5. März 2017

[ Rezension ] "Gespenstisches Island" von Yrsa Sigurðardóttir

Meine Wertung 4 von 5 Sternen
Titel Gespenstisches Island
(Sammelband mit "Geisterfjord" und "Seelen im Eis")
Originaltitel Ég man ðig (Geisterfjord)
Kuldi (Seelen im Eis)
Autor(in) Yrsa Sigurðardóttir
Übersetzer(in) Tina Flecken
Verlag* Fischer
Seitenzahl* 730
Erscheinungsdatum*  26. Januar 2017
Genre  Thriller / Paranormales / Horror
* bezieht sich auf die abgebildete Ausgabe des Buches
Das Buch auf der Seite des Verlags
Das Buch bei Amazon
'Geisterfjord': Drei junge Leute aus Reyjkavík planen, ein heruntergekommenes Haus in einem verlassenen Dorf in den kargen Westfjorden Islands wieder aufzubauen; sie ahnen nicht, welch gewaltige Ereignisse sie damit in Gang setzen. In einer Kleinstadt am anderen Ende des Fjords ermittelt Polizistin Dagný gemeinsam mit Freyr, einem Psychologen, in einer Reihe von unnatürlichen Todesfällen. Welche Geheimnisse bergen die staubigen Polizeiakten aus dem vorigen Jahrhundert? Und warum hat Freyr auf einmal das Gefühl, dass sein verschollener Sohn noch am Leben sein könnte? Erst als die Verbindung zwischen diesen rätselhaften Geschehnissen sichtbar wird, enthüllt sich die grausige Wahrheit.

'Seelen im Eis': Ist jetzt also der Tag der Abrechnung gekommen? Als Óðinn den mysteriösen Tod zweier Jungen in einem Erziehungsheim untersucht, tun sich Abgründe auf. Je tiefer er gräbt, umso mehr gibt es Parallelen zu seinem Leben. Hat der viel zu frühe Tod seiner Frau etwas damit zu tun? Während er noch verzweifelt nach Antworten sucht, scheint etwas Bedrohliches immer näher zu kommen…"
(Klappentext)

Auf dem Cover werden die Bücher als 'Island-Thriller' angekündigt, ich persönlich würde sie aber nicht diesem Genre zuordnen. Von einem Thriller (ohne Zusätze wie 'Mysterythriller') erwarte ich mir eine Geschichte, die nicht nur nervenzerfetzende Hochspannung erzeugt, sondern auch in unserer realen Welt so oder so ähnlich geschehen könnte, und das ist hier zumindest nicht vollständig gegeben.

Womit ich keineswegs sagen möchte, dass die Bücher schlecht sind - nur, dass beim Leser falsche Erwartungen geweckt werden könnten, denn hier handelt es sich in meinen Augen vielmehr um einen atmosphärischen Schauerroman mit subtilem Horror ("Geisterfjord") und ein beklemmendes Drama ("Seelen im Eis"), jeweils mit nur wenigen typischen Thriller-Elementen.

'Geisterfjord':

Die Spannung ist eher eine unterschwellige, sie nährt sich aus Paranoia, Verzweiflung, Depression. Die Emotionen der Charaktere, die ihrer eigenen Wahrnehmung immer weniger vertrauen, werden immer düsterer, und ihre zunehmende Angst kann sehr ansteckend sein - wenn der Leser sich darauf einlässt, sie auf diesem Weg zu begleiten. Irgendwann hatte ich ständig das Gefühl, einen Blick über die Schulter werfen zu müssen, um sicher zu gehen, dass nichts Bedrohliches hinter mir steht...

Das ist für mich klassischer Horror, der nichts damit zu tun hat, wie viele Liter Blut man aus einer Geschichte quetschen oder in wie viele Teile man eine Leiche zerstückeln kann! Und ja, manches war vielleicht ein wenig zu sehr aus dem Standard-Fundus des Horror-Genres entnommen, wie die eiskalten bleichen Finger, die sich um den Hals einer Protagonistin legen, das schaurige Heulen des Windes oder die ständig knarzenden Bodenbretter... Aber mir gefiel die Geschichte auch gerade deshalb, weil sie eigentlich an ein Lagerfeuer gehört, wo man sich wohlig gruseln kann!

Das Ganze steht und fällt in meinen Augen damit, ob man für ein paar Stunden seine Skepsis an den Nagel hängen und nicht zu sehr auf Logik oder Schlüssigkeit beharren kann.

Die Geschichte wird auf zwei Erzählebenen und Handlungsorte aufgeteilt, und man fragt sich als Leser die ganze Zeit, ob und wie das Ganze am Schluss zusammenlaufen wird. Natürlich werde ich das hier noch nicht verraten, aber komplett glücklich war ich mit der Auflösung nicht... Denn auch eine Geschichte mit paranormalen Elementen muss für mich in sich schlüssig und logisch aufgeklärt werden!

Die Charaktere fand ich durchaus interessant und gut geschrieben, auch wenn der ein oder andere etwas unterkühlt daherkommt und sich dem Leser sozusagen emotional nicht öffnet.

"Seelen im Eis":

Die Geschichte ist unglaublich clever aufgebaut, so dass man als Leser erst im Rückblick vollends begreift, wie sich die ganzen Puzzleteilchen zu einem schlüssigen Bild zusammensetzen - und zumindest mir ging es so, dass ich mit der Auflösung überhaupt nicht gerechnet hätte, sie aber großartig fand.

Die Spannung baut sich langsam auf und ist eher ein stetes Schwelen als ein flammendes Inferno. Ich wollte wissen, wie alles zusammenhängt: was damals in diesem Erziehungsheim, in dem zwei Jungen starben, passiert ist, ob Óðinns Ex-Frau ermordet wurde oder gesprungen ist... Aber vor allem fieberte ich mit den persönlichen Dramen der Protagonisten mit, und das hatte wenig mit Thrill zu tun, dafür aber viel mit Atmosphäre und stimmigen Charakteren.

Zu Óðinn und Aldís baute ich schnell eine wesentlich engere Bindung auf als zu den Charakteren in "Geisterfjord".

Beide Bücher:

Obwohl mir der Schreibstil an sich sehr gut gefiel, hatte ich den Eindruck, dass die Übersetzung etwas holprig ist, wodurch Sätze gelegentlich sogar leicht merkwürdig klingen - da wird der Desktop eines Computer zum Beispiel mit "Schreibtisch" übersetzt. Aber die Autorin baut eine wunderbar dichte, oft gruselige Atmosphäre auf, die meines Erachtens auch in der Übersetzung immer noch wirken kann.
"Island-Thriller" steht drauf, aber was man bekommt, sind ein stimmungsvoller Schauerroman und ein packendes Drama. Die im Sammelband enthaltenen Romane "Geisterfjord" und "Seelen im Eis" sind sehr unterschiedlich, eins haben sie jedoch gemeinsam: Atmosphäre wird ganz groß geschrieben, die typischen Thriller-Elemente sucht man hingegen vergebens.

Nachdem ich mich erstmal von sämtlichen Erwartungen verabschiedet hatte, gefielen mir die Bücher dennoch sehr gut, wobei ich "Seelen im Eis" logischer und in sich schlüssiger fand als "Geisterfjord".
Cover 4 Sterne
Originalität
"Geisterfjord"
"Seelen im Eis"

3,5 Sterne

4,5 Sterne
Spannungsaufbau und Tempo
"Geisterfjord"
"Seelen im Eis"

3,5 Sterne
4 Sterne
Atmosphäre
"Geisterfjord"
"Seelen im Eis"

5 Sterne
4,5 Sterne
Charaktere
"Geisterfjord"
"Seelen im Eis"

3,5 Sterne
4,5 Sterne
Logik / Schlüssigkeit
"Geisterfjord"
"Seelen im Eis"

3 Sterne
4 Sterne
Schreibstil 4 Sterne

Kommentare :

  1. Hallo Mikka,
    auch wenn ich wirklich nicht der Typ für Horror bin ("und ihre zunehmende Angst kann sehr ansteckend sein - wenn der Leser sich darauf einlässt, sie auf diesem Weg zu begleiten" --- ich würde umkommen vor Angst und nächtelang nicht mehr schlafen können.xD), gefällt mir Deine Rezension sehr gut. Ich habe mich gestern mal wieder über nichtssagende Rezensionen geärgert, da ist Deine eine reine Wohltat!!
    Gibt es heute ein neues Kalenderfoto? :D *in die hände klatsch* Deine Videotipps habe ich mir übrigens angsehen. Wirklich klasse.
    Liebe Grüße
    Lilly

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    1. Huhu Lilly,

      also, es ist jetzt nicht so der Horror, von dem man Albträume kriegt, finde ich - mehr subtil. Aber vielleicht würde ich das anders sehen, wenn ich nachts alleine im Haus wäre! :-D

      Herzlichen Dank für das Lob!

      Mein Kalender ist inzwischen wesentlich weniger aufwändig als früher, ich habe einfach beschlossen, dann doch mehr auf Funktion als auf Deko zu setzen - früher habe ich jeden Sonntag STUNDEN gebraucht. :-)

      LG,
      Mikka

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  2. Hallo Mikka,

    schön, dass dich Yrsa Sigurdardóttir auch mit Island packen konnte. Ich mag die Autorin total gern, ich finde ihren Stil ungewöhnlich und packend. Derzeit kann ich kaum genug von ihr bekommen.

    "Geisterfjord" hat mir besser als "Seelen im Eis" gefallen, ich habe es als spannender empfunden. "Seelen im Eis" war dafür beklemmender.

    Jetzt hast du mir wieder Lust auf die Autorin gemacht. :)

    Liebe Grüße,
    Nicole

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    1. Huhu Nicole,

      interessant, mir gefiel von den beiden "Seelen im Eis" besser! Aber ich fand sie beide gut, nur sehr unterschiedlich.

      Ich werde sicher noch mehr von der Autorin lesen - eine Bekannte hat letztens ihr neustes Buch gewonnen, jetzt bin ich erstmal gespannt auf ihre Meinung dazu. :-)

      LG,
      Mikka

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  3. Guten morgen,
    Seelen im Eis kannte ich gar nicht. Geisterfjord habe ich mit Begeisterung gelesen. Jedenfalls mag ich die Autorin und werde mich nach dem ersten genannten Buch mal umschauen.
    Liebe sonntägliche Grüße
    Anja vom kleinen Bücherzimmer

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    1. Huhu Anja,

      ich wollte jetzt auch mal einen ihrer "richtigen" Thriller lesen, die sollen ja auch sehr gut sein. :-)

      Liebe Grüße,
      MIkka

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