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Freitag, 9. September 2016

[ Classic Confessions ] Mein Lieblingszitat aus einem Klassiker


Antonia vom Blog "Lauter und Leise" hat sich diese Aktion ausgedacht, bei der das Augenmerk auf alte und neue Klassiker gerichtet werden soll - denn Klassiker können wirklich Spaß machen und sind oft auch für moderne Leser sehr lesenswert! Die Aktion läuft noch bis Juni 2017, und dann wird sogar noch ein großes Buchpaket verlost. 

HIER findet ihr Antonias Beschreibung der Aktion und HIER alle bisherigen Fragen. 

Oha. Ich  muss zugeben, dass die Frage dieser Woche für mich tatsächlich eine schwierige ist. Einerseits bin ich eine Leserin, die in sprachloser Bewunderung vom Lesesofa schmilzt, wenn ein Autor großartige Zitate produziert - weise, prägnant, witzig, zum Nachdenken anregend oder auf den Punkt gebracht, ganz egal, aber sprachlich auf jeden Fall eine Offenbarung, bitteschön. (Wenigstens in meinen Augen.)

Andererseits... *Trommelwirbel*  ...schreibe ich mir besagte Zitate so gut wie nie auf. *Dö-dö-dö-dööööö...* 

Deswegen kommen mir jetzt gerade nur die ausgelutschten Standardzitate in den Sinn. Man sieht nur mit dem Herzen gut, das also war des Pudels Kern! Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage, und mein Königreich für ein Pferd. Und so weiter.

Oder mir kommt die plötzliche Erleuchtung in Form eines wirklich großartigen Zitats, und dann fällt mir auf: Mist, das ist ja gar kein Klassiker. Zum Beispiel:

"Sie merkte, dass sie zitterte. 
Die Heizung war jetzt wie Eis. und der Flur war ein Grab aus Schatten. 
Sie war so müde, und die fremde Stadt war so groß, und der November sammelte sich im Hausflur wie Schnee."
("Niemand liebt November" von Antonia Michaelis)

Ich liebe, liebe, LIEBE dieses Zitat. Antonia Michaelis ist so phänomenal zitierwürdig, dass einem schon mal nach drei Kapiteln diese kleinen bunten Post-Its zum Markieren ausgehen können. Aber um Antonia Michaelis geht es ja gar nicht, obwohl ich für sie durchaus Klassiker-Potential sehe.

Im Endeffekt entschieden habe ich mich für dieses Klassiker-Zitat:

"Wir glaubten, wir hätten furchtbare Probleme. Wie sollten wir wissen, dass wir glücklich waren?"
("Der Report der Magd" von Margaret Atwood)

Das Buch ist ein preisgekrönter moderner Klassiker - und eine Dystopie. Die Mischung sieht man doch eher selten, oder? In dem Buch ist aus den USA die totalitäre, patriarchalische Republik von Gilead geworden, in der Menschen in Kasten eingeteilt werden, die ihr ganzes Leben bestimmen, und Frauen so gut wie keine Rechte haben. Nicht nur, dass sie nicht wählen dürfen - sie dürfen kein Geld oder Eigentum besitzen und nicht einmal lesen oder schreiben. Kinderkriegen, das dürfen sie und das bestimmt auch ihren ganzen Wert.

Interessant fand ich, dass dieser Wandel im Buch gerade erst passiert ist. Meist ist es in Dystopien ja so, dass die Menschen schon eine lange Zeit unter dem Regime leiden, aber hier kann sich die Protagonistin nur zu gut an eine Zeit erinnern, als sie als Frau Rechte hatte und ein freies Leben führte. Daher auch das Zitat: im Rückblick erscheinen ihr die Probleme aus der Zeit davor im Vergleich trivial und unbedeutend.

Aber ich finde, man kann das Zitat auch ganz unabhängig vom Buch betrachten. Wenn man es mal auf die grundlegendste Bedeutung reduziert: Oft merken wir gar nicht, wie gut wir es eigentlich haben. Erst, wenn wir etwas verloren haben, geht uns auf, wie glücklich wir uns schätzen konnten, als wir es noch besaßen.

Für mich ist das Zitat eine Erinnerung daran, ab und an mal innezuhalten und bewusst das wertzuschätzen, was ich habe.


Kommentare :

  1. Hallo Mikka! :-)

    Der Report der Magd klingt interessant! Es hat mich sehr an "schöne neue Welt" von Huxley erinnert!
    Ich hoffe am Ende des Buches schaffen die Frauen ihre Rechte zurückzugewinnen! Erfährt man wie es dazu gekommen ist?

    Ich wünsche dir viel Lesespaß!
    Lumina ^_^

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    1. Huhu Lumina,

      man erfährt schon einiges darüber, wie es so gekommen ist, aber das Ungewöhnliche ist, dass die Protagonistin nicht, wie normal bei modernen Dystopien, zu einer wichtigen Figur im Widerstand wird. Sie will sich nicht in Schwierigkeiten bringen und lehnt sich eigentlich nur auf, in dem sie eine verbotene Affäre hat. Sie wird gebeten, Informationen für den Widerstand zu sammeln, aber das tut sie nicht.

      Eigentlich ist ihr Verhalten sehr realistisch, denn nur wenige Menschen riskieren ihr eigenes Leben, um sich gegen ein politisches System aufzulehnen. Deswegen gibt es auch kein richtiges Ende ihrer Geschichte, aber immerhin weiß man von Anfang an, dass ihr Tagebuch lange Zeit später von einer künftigen Gesellschaft als wichtiges historisches Dokument betrachtet wird, sich die Dinge also geändert haben müssen.

      LG,
      Mikka

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  2. Dein Klassiker-Zitat ist super! Das gefällt mir richtig gut. Und du hast recht: auch heute noch kann jeder das Zitat auf sich selbst anwenden. :)
    Ich kenne das Buch noch gar nicht. Muss ich mir mal ansehen. :)

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    1. Huhu!

      Man muss sich bei dem Buch nur darauf einlassen, dass es wenig Aufstand gegen das System gibt, und dass das Ende eher offen ist. :-)

      LG,
      Mikka

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